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AAAccell wurde im April 2018 mit dem Qualitätslabel «SEF.High-Potential KMU» ausgezeichnet

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AAAccell-Co-Gründer und CEO Sandro Schmid

Foto: Ange’s Art Photography, Susann Welti

Das Jungunternehmen Aaaccell entwickelt Hightech-Softwarelösungen für die Finanzindustrie. Die Produkte basieren auf den neusten wissenschaftlichen Methoden und verbinden klassische Kenntnisse aus der Finanzmathematik mit modernen Technologien.

 

Herr Schmid, wie entstand die Idee zur Gründung von AAAccell?

Aaaccell wurde mit meinem Co-Founder Prof. Dr. Walter Farkas und mir mit der Überzeugung gegründet, dass die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie verbessert werden kann und soll. Viele Erkenntnisse aus jahrelanger Forschung schaffen es nicht aus den wissenschaftlichen Publikationen bis in die Wirtschaft. Aaaccell vereint akademische Forschungsergebnisse mit realen Problemstellungen, algorithmischen Lösungen und künstlicher Intelligenz.

Robo-Advisors basieren auch auf Algorithmen und sind vor allem für Kleinanleger interessant. Was unterscheidet Aaaccell von solchen Robo-Advisors?

Ein wichtiger Unterschied liegt darin, dass unsere Algorithmen auch für institutionelle Investoren funktionieren, welche professionell Vermögen verwalten. Zudem unterscheidet sich unsere Technologie substanziell von den vorhandenen Anbietern hinsichtlich Geschwindigkeit und Komplexität. Unsere Algorithmen sind technologisch auf höchstem Niveau. Wir messen damit die Finanzströme und deren Faktoren wesentlich genauer und verwenden sehr grosse Datenmengen, was in der Finanzindustrie eher untypisch ist.

Wird der klassische Kundenberater im Zuge der Digitalisierung überflüssig? Können wir zukünftig alle Finanzdienstleistungen über Maschinen abwickeln?

Die Kosten für Finanzdienstleistungen sind in der Schweiz sehr hoch. Die Digitalisierung ist essenziell für das langfristige Überleben der Finanzinstitute. Der Wandel wird sicherlich nicht einfach jedoch notwendig sein. Die Digitalisierung kann v.a. dort von Nutzen sein, wo monotone oder einfache Prozesse vom Computer übernommen werden können. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass auch zukünftig der Mensch wichtig bleibt und in vielen Prozessen oder Transaktionen notwendig ist. Deep Blue gewann zwar gegen Kasparov, doch gewinnt heute ein mittelmässig spielendes Schachteam, sofern diese einen einfachen handelsüblichen Schachcomputer an der Seite haben, gegen jeden noch so starken Schachcomputer.

Sie versprechen mit Ihrer Lösung eine höhere Rendite bei gleichzeitiger Risikoreduktion. Bisher wurde uns beigebracht, dass nur ein hohes Risiko zu einer hohen Rendite führt. Wie schaffen Sie es, Ihr Nutzenversprechen einzuhalten?

Ein Portfolio kann hohe Risiken bergen, welche oft nicht genau gemessen werden, dafür aber tiefere Erträge abwerfen als notwendig. Unser System kann die Portfolio-Risiken nicht nur präziser messen, sondern mittels zukunftsorientierten Methoden die notwendigen Anpassungen vornehmen, ohne dabei die Komposition des Portfolios zu verändern. Es übernimmt also die Präferenzen der Investoren oder der Banken und verändert in einer vom Kunden definierten Frequenz die Gewichte der einzelnen Positionen, dies unter Berücksichtigung der Transaktionskosten.

Sie haben kürzlich das Qualitätslabel «SEF.High-Potential KMU» der Wachstumsinitiative SEF4KMU des Swiss Economic Forum erhalten. Warum haben Sie an der Wachstumsinitiative teilgenommen?

Ich hatte schon früher das Vergnügen, am SEF teilnehmen zu können und war begeistert von der Dynamik, den teilnehmenden Leuten wie der gesamten Organisation. Durch das SEF wurde ich auch auf die Wachstumsinitiative SEF4KMU aufmerksam und war schnell überzeugt, dass wir unbedingt partizipieren sollten. Ich stellte mir vor, dass das Programm so eine Art «Qualitätsraster» ist, dass alle wichtigen Dimensionen für Unternehmenswachstum enthält. Dieses Raster wird dann von zahlreichen Experten über die Firma gelegt und somit ermittelt, in welchen Feldern sich die Firma verbessern kann bzw. wo kein/wenig Handlungsbedarf vorliegt.

Wurden Ihre Erwartungen mit SEF4KMU erfüllt?

Ja, vollumfänglich, der grosse Aufwand hat sich sehr gelohnt! Wenn auch das Qualitätslabel die Krönung war, war es vor allem der Weg dorthin, welcher uns sehr viel weiterbrachte. Aufgrund der Expertenfeedbacks konnten wir den Kundennutzen unserer Lösungen besser formulieren, die Vorteile unserer Technologie klarer benennen, sowie zahlreiche Anpassungen bspw. im Finanzplan oder in der Governance vornehmen.

Sie haben kürzlich die Bewilligung der FINMA erhalten, Fundguru zu lancieren. Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Fundguru.ch ist eine Plattform für jeden, um sich über Anlagefonds hinsichtlich Risiko und Ertrag schlau zu machen. Die Algorithmen sind absolut neutral und unparteiisch, die Ergebnisse einfach verständlich und transparent. Die FINMA erteilte uns sehr schnell und unbürokratisch die Bewilligung, diese Plattform ohne grössere Auflagen zu lancieren.

Sie vermelden eine Wachstumsrate von 40%, davon können andere Schweizer Jungunternehmen träumen. Was macht Sie so erfolgreich?

Meiner Meinung lässt sich Erfolg nicht einfach ableiten anhand von ein paar Faktoren, wenn auch gewisse Bücher uns dies lehren wollen. Es ist immer eine Kombination von zahlreichen Aspekten, wobei ich denke, dass einiges im Unterbewusstsein passiert. In jedem Fall spielt das Team eine immense Rolle. Dabei meine ich das gesamte Team, sei es das Board, die Entwickler, die Geschäftsleitung oder das Backoffice.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Timing (Momentum). Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir mit den gleichen Lösungen vor 10 Jahren weniger erfolgreich gewesen wären als heute.

Zudem braucht es immer auch eine Portion Glück, Enthusiasmus und Mut.

Wie sieht die Zukunft von AAAccell aus? Was sind Ihre nächsten Entwicklungsschritte?

Ich gehe davon aus, dass die Digitalisierung sowie damit verbundene Technologien wie künstliche Intelligenz, Machine Learning, «predictive Analytics» oder ähnliches sich zukünftig noch sehr stark in die Wirtschaft ausdehnen wird, da der Nutzen für die Firmen zu gross ist, als dass man sich davon ausnehmen kann. AAAccell hat sich seit Jahren auf dieses Gebiet fokussiert und wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Firmen, welche in der Lage sind, solche Algorithmen selber zu entwickeln (anstelle Standardalgorithmen downloaden), zunehmen wird.

Unsere nächsten Schritte sind einerseits die Internationalisierung in EU und Asien sowie der Ausbau unserer Plattformen, unter anderem fundguru.ch. Gerne verweise ich dabei auf das 8. Weltwunder von Einstein (Compound Interest) hin, welches besagt, dass die angehäuften Zinsen oder Erträge auf mehrere Jahre gerechnet enorm gross sind und Kunden, welche qualitativ hochstehende Anlagefunds besitzen, mit der Zeit stets überproportional profitieren.

Das diesjährige Swiss Economic Forum steht unter dem Motto: «Hello from the other side statt» und stellt Offenheit und Neugier in den Vordergrund. Was bedeutet das für Sie persönlich und für AAAccell?

Die Weiterentwicklung der Menschheit und der Wirtschaft bedingt eine Offenheit für Innovationen, Neugier und vernetztes interdisziplinäres Denken. Vor allem braucht es aber auch Mut und Entschlossenheit, denn Ideen gibt es genug, aber Umsetzungen sind spärlicher.

In der Wirtschaft war ich stets jener, der versucht, den Kuchen grösser zu backen, als von den anderen Stücken wegzunehmen. Diese Eigenschaft ist auch bei AAAccell sehr wichtig, denn wir fokussieren uns nicht auf bestehende Marktprodukte, sondern entwickeln neue Lösungen. Darum arbeiten wir auch für verschiedene Firmen wie UBS oder Rothschild 100% exklusiv, da man die investierte Innovation nicht beim Konkurrenten wissen möchte.

«Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz könnte entweder das Schlimmste oder das Beste sein, was den Menschen passiert ist», sagte der kürzlich verstorbene Physiker Stephen Hawking. Wie beurteilen Sie diese Aussage?

Wenn Sie sich anschauen, wie die Menschen früher auf neue Technologien reagierten (bspw. Auto, Lift, Computer, Internet, etc.), war nebst Unterschätzung auch stets Angst, Groll oder Missmut zu erkennen, wenn auch nicht bei allen. Zudem waren technologische Prognosen oftmals falsch, auch von sehr angesehenen Personen.

Ich bin der Überzeugung, dass uns künstliche Intelligenz einen immensen, technologischen Fortschritt bringen wird, angefangen von selbstfahrenden Autos, Robotern, IT Systemen, am Arbeitsort und im Haushalt sowie zahlreichen anderen Gebieten. Dies wird unseren Alltag substanziell verändern. Dieser sieht dann vielleicht so aus:
Ihr Lieblingsauto, welches geteilt wird von vielen anderen Menschen, holt sie von der Arbeitsstätte ab und bringt sie ohne Verkehr schnell nach Hause, während Sie sich die Nachrichten anschauen und ihr Finance Buttler reduzierte ihre Investitionsrisiken per Chat. Zuhause angekommen, welches täglich vom iHomeRobo geputzt wird inkl. Green-Wäscheservice, steht ihr vietnamesisches Lieblingsgericht frisch und gesund gekocht auf dem Tisch. Den Abend lassen sie dann mit einer entspannenden Yoga Hologramm Session ausklingen.

Doch hat Stephen Hawking sicherlich recht, dass KI auch seine Schattenseite hat. Neue, sinnvolle regulatorische und gesetzliche Strukturen werden entscheidend sein, damit die Vorteile überwiegen werden. Das bedingt jedoch, dass die entsprechenden Stellen genügend umfassend informiert sind und die Implikationen entsprechend einstufen können. Ein «Terminator» Szenario, wo der Computer die Menschheit ausrotten will, erachte ich als unwahrscheinlich. Die Algorithmen werden stets auf eine ganz spezifische Anwendung gebaut. Der Alpha Zero Go gewinnt zwar im Spiel «GO», kann aber nicht einmal ein Spiegelei kochen.

Dieses Interview wurde in einer verkürzten Fassung in der Verlagsbeilage der NZZ zum Swiss Economic Forum 2018 publiziert.

Das PDF dazu können Sie im folgenden Link aufrufen: NZZ-Verlagsbeilage zum SEF.